RUSSLAND HISTORISCH
Russische Gräber auf dem Cimitero acattolico
Den ersten Teil gibt es hier, mit einem kurzen Überblick über die Entstehung des Friedhofs und mit der Geschichte von drei russischen Grabmälern und den dazugehörigen Schicksalen. In diesem Teil folgen drei weitere.
Wassili Modestow (1839 – 1907)
Das schöne, in ruhigen klassischen Formen gehaltene Grabmal steht in der obersten Reihe des Friedhofs, direkt an der großen Mauer. Auf den ersten Blick weist nichts darauf hin, dass hier ein Russe begraben liegt – kein orthodoxes Kreuz, keine kyrillischen Buchstaben, stattdessen ein langer Text in lateinischer Sprache. Nur der Nachname des „Basilius I F Modestov“ mutet slawisch an.

Dieser „Basilius“ hieß in seiner russischen Heimat Wassili, sein Vatersname war Iwanowitsch, was auf dem Grabmal zu „I F“ wurde – „Ioannis Filius“. Geboren wurde der „Sohn des Johannes“ 1839 in einem kleinen Dorf im Bezirk Waldai, Gouvernement Nowgorod, etwa auf halbem Weg zwischen Moskau und Petersburg – eine malerische, wald- und seenreiche Gegend, in der heute eine der Residenzen Putins liegt.

Wassili, Sohn eines Dorfpriesters, besuchte ein geistliches Seminar, dann eine Ausbildungsstätte für Lehrer und ging nach mit Auszeichnung bestandenem Lehrerexamen für zwei Jahre als Stipendiat ins Ausland, nach Deutschland und Frankreich. In Petersburg studierte er anschließend Altphilologie und promovierte mit einer Arbeit über Tacitus.
Es folgte eine erfolgreiche Karriere als Professor vier verschiedener russischer Universitäten, die auf dem Grabmal alle aufgeführt werden:
- der „Neorossicae“, das ist die damals (1865) gerade neu gegründete Universität in Odessa, der Hauptstadt des Gouvernements „Noworossija“;
- der „Kasaniensis“ und „Kieviensis“, also der Universitäten von Kasan und Kiew;
- und als Krönung (nec non et = last but not least) der „Petropolitanae“, der Universität Petersburg, wo Modestow seit 1877 als Privatdozent und Ordinarius für lateinische Philologie lehrte.
B-M-S über seinem Namen bedeutet „Bene merenti salutem“, ein „Gruß an den, der es verdient hat“.

Auf der Homepage der Petersburger Universität gibt es eine Unterseite für „old teachers“, auf der auch Modestow gewürdigt wird und wo alle seine Veröffentlichungen aufgeführt sind. Die Liste der Bücher, Aufsätze und Artikel ist lang und beeindruckend: Übersetzungen und Kommentare zu antiken Schriftstellern (Tacitus, Seneca, Horaz, Plautus, Juvenal, Mark Aurel), Schriften zur römischen Geschichte und Literatur, Studien zu altrömischen Inschriften. Aber auch zu anderen Themen hat er viel geschrieben, was zeigt, dass er kein weltfremder Gelehrter war: Streitschriften zum russischen Schulwesen, an dem er viel zu kritisieren hatte, zwei Bücher mit Erinnerungen an seine Jahre in Deutschland und Frankreich, immer wieder auch Artikel zur politischen Weltlage.
Unter seiner Leitung wurde 1884 ein deutsches Lexikon ins Russische übersetzt, Friedrich Lübkers 1855 erschienenes „Reallexikon des classischen Alterthums für Gymnasien“, das bis weit ins 20. Jahrhundert ein Standardwerk für Altertumskundler war.
1893 beendete Modestow im Alter von erst 54 Jahren seine Hochschulkarriere in Russland und ging nach Italien, um sich vor Ort seinen ganz speziellen Interessen und Forschungen zu widmen – der römischen Frühgeschichte und der Entzifferung altrömischer Inschriften. Er lebte von seinen Ersparnissen und finanzierte sogar Ausgrabungen aus eigener Tasche.
Die Ergebnisse seiner Arbeit erschienen 1902 -1904 in russischer Sprache, drei Jahre später auch in französischer Übersetzung.

Als er 1907 in Rom stirbt, sind seine Ersparnisse aufgebraucht, er ist ein armer Mann, der in einem unscheinbaren Grab beigesetzt wird. Frau und Kinder scheint er nicht gehabt zu haben.
Aber bald verbreitet sich in seiner russischen Heimat die Nachricht vom Tod des Gelehrten. An den Universitäten Russlands sammelt man Geld und lässt vier Jahre nach seinem Tod dieses imposante Grabmal errichten, mit einer ausführlichen Würdigung seiner Leistungen in klassischem Latein – dies sicher ganz in seinem Sinn.
„Dem es für seine großen Verdienste um die römische Sache zu Recht beschieden gewesen ist, in Rom zu sterben und im Schoß der heiligen Stadt seine Ruhe zu finden“ lautet der letzte Satz des langen Textes, in dem sogar Geburts- und Todesdatum in altrömischer Form angegeben sind: In den „Kalenden des Februar“ wurde er geboren, in den „Iden des Februar“ starb er. S-T-T-L ganz am Schluss steht für den Wunsch „Sit tibi terra levis“ – „Möge die Erde dir leicht sein“.

Modestows oben erwähntes Buch über Deutschland kann man übrigens komplett im Internet bei Google Books lesen. Es enthält viele interessante Details zum Schul- und Universitätswesen der damaligen Zeit. Deutschland war für Modestow das gelobte und bewunderte Land der Wissenschaft und Gelehrsamkeit, nirgends sonst, vermerkt er anerkennend, gebe es so viele Studenten und Professoren. Was ihm weniger gefiel, waren die „Korporationen“, in denen die dort organisierten Studenten unnötig viel Zeit auf „Trinkgelage, Duelle und das Fechten“ verschwendeten.
Eine Stelle in seinem Buch fand ich besonders treffend, ich wünschte mir, manche Staatschefs unserer Zeit würden sich diese Sätze zu Herzen nehmen. Es geht um das Vermächtnis, das Völker und Staaten der Nachwelt hinterlassen, im russischen Original auf S.62, hier in meiner Übersetzung:
Die Völker und Staaten, die danach strebten, ihre Macht nur durch Eroberungen und Zerstörung zu bekunden, sind wie Meteore in der Geschichte verglüht; wie groß ihre Bevölkerungszahl und wie stark ihre Armee auch war, es rettete sie nicht vor dem schnellen Untergang oder vor dem Rückfall in ihre frühere Bedeutungslosigkeit. Im Gegenteil, diejenigen Völker, die ihre Größe stattdessen im Streben nach einem Ideal suchten, die ihren Stolz auf geistigen, künstlerischen und zivilen Fortschritt setzten, leuchteten der übrigen Menschheit viele Jahrhunderte als Fackel des Lebens und leuchten wohl noch jahrtausendelang weiter fort.
Tatjana Tolstaja (1864 – 1950)
In italienischer Erde liegt auch die älteste Tochter von Leo Tolstoi. Auf ihrem Grab steht ein großes, weithin sichtbares orthodoxes Kreuz aus hellem Stein.

Der berühmte Name Tolstoi ist allerdings nur für den aufmerksamen Friedhofsbesucher zu finden. Man muss schon in die Knie gehen, um ganz zuunterst, von Efeu und Blumen halb verdeckt, die Inschrift zu lesen. In halb italienischer, halb französischer Schreibweise steht dort: „Teodoro Soukhotine“ – das ist der ebenfalls in Rom gestorbene Stiefsohn Tatjanas – und darunter: „Tatiana Soukhotine Tolstoi / Nata a Yasnaia Poliana il 17 ottobre 1864 / Morta a Roma il 21 settembre 1950“.

Aus der Ehe Leo Tolstois mit Sofia Andrejewna Behrs stammten dreizehn Kinder, neun Jungen und vier Mädchen. Tatjana war die älteste Tochter, und wie ihre beiden jüngeren Schwestern Maria und Alexandra (das vierte Mädchen, Warwara, starb schon als Baby) war sie ihrem ebenso genialen wie schwierigen und anspruchsvollen Vater zeit ihres Lebens treu ergeben. Sie hatte zwar studiert, an einer Moskauer Kunsthochschule, aber danach keinen Beruf ausgeübt. Stattdessen arbeitete sie – wie auch die jüngste, Alexandra – als eine Art Privatsekretärin für ihren Vater, lektorierte und schrieb seine Texte ins Reine.

Im Unterschied zu Alexandra gründete Tatjana jedoch eine eigene Familie, wenn auch sehr spät. 1899 heiratete sie Michail Suchotin, einen Witwer mit sechs Kindern, der fünfzehn Jahre älter war als sie – er war knapp 50 bei der Eheschließung, sie 35. Leo Tolstoi soll über die Heirat gar nicht erfreut gewesen sein.
Nach drei Schwangerschaften mit zwei Totgeburten und einem Zwillingspärchen, das nach wenigen Monaten starb, brachte sie 1905 eine Tochter zur Welt, die überlebte und der die Mutter ihr ganzes Leben lang eng verbunden blieb. Auch zu ihren Stiefkindern hatte Tatjana eine sehr gute Beziehung.
Als Michail Suchotin 1914 starb, kehrte Tatjana auf das elterliche Landgut Jasnaja Poljana zurück, das nach dem Tod von Tolstoi 1910 in ein Museum umgewandelt worden war, und kümmerte sich um dessen Verwaltung und um den literarischen Nachlass ihres Vaters. Außer Tatjana lebten damals noch vier Brüder, Sergej, Ilja, Lew und Michail sowie eine Schwester, die schon erwähnte Alexandra. Sergej blieb als einziger dauerhaft in Russland bzw. der Sowjetunion, er starb 1947 in Moskau. Ilja wanderte 1916 in die USA aus, wo er 1933 starb, Lew lebte seit 1918 in Westeuropa, zuerst in Frankreich, dann in Deutschland und Italien, zum Schluss in Schweden. Michail emigrierte 1920 nach Marokko, und Nesthäkchen Alexandra, Tolstois Lieblingskind, ging nach einer Auslandsreise von Japan aus 1931 für immer in die USA.
Tatjana verließ ihre Heimat 1925 – eigentlich hatte sie gar nicht vorgehabt zu emigrieren, es fügte sich mehr zufällig, dass sie im Ausland blieb. Zunächst lebte sie mit ihrer Tochter in Paris; als diese dann einen italienischen Rechtsanwalt heiratete und mit ihm nach Rom zog, ging die Mutter mit und lebte dort bis zu ihrem Tod 1950.

Karl Brjullow (1799 – 1852)
Er ist der berühmteste Russe, der auf dem Cimitero acattolico begraben liegt: der Maler Karl Brjullow, mit Betonung auf der letzten Silbe, denn eigentlich lautete sein Familienname Brulleau – Karl stammte aus einer Hugenottenfamilie. 1773 wanderte sein Großvater aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg nach Russland aus. Sein Sohn Paul Georg (der Vater von Karl) war damals 13 Jahre alt und wurde als erwachsener Pawel Iwanowitsch Brjullo ein erfolgreicher und vielbeschäftigter Bildhauer und Maler. Er vererbte sein Talent an seine Söhne, Karl wurde als Maler, Alexander als Bildhauer bekannt. In ihrer Generation wurde der Familienname dann endgültig zu „Brjullow“ russifiziert.

Der in Petersburg geborene Karl Brjullow gehört in Russland bis heute zu den bekanntesten Malern des 19. Jahrhunderts. Erst vor wenigen Wochen ging in Moskau nach über sechs Monaten Laufzeit eine große Ausstellung seiner Werke zu Ende: „Karl Brjullow. Rom – Moskau – Petersburg“. Die Tretjakow-Galerie, die sie ausgerichtet hatte, konnte stolz 477.000 Besucherinnen und Besucher vermelden; damit war diese Ausstellung die mit den höchsten Besucherzahlen in Russland in den letzten fünf Jahren.
Neben vielen Porträts und Genrebildern ist es vor allem ein Bild, das Karl Brjullows Ruhm begründet und bis heute erhalten hat: „Der letzte Tag von Pompeji“, ein monumentales historisches Gemälde, das den Augenblick beim Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. festhält, den Schrecken und die Todesangst der Menschen im Angesicht der Katastrophe. Sechseinhalb Meter in der Breite und viereinhalb in der Höhe misst dieses Bild. Brjullow arbeitete sechs Jahre daran. 1827 fertigte er die ersten Skizzen an, das eigentliche Gemälde entstand in den Jahren 1830 bis 1833. In all diesen Jahren lebte er dauerhaft in Rom und hatte dort ein eigenes Atelier. Von Rom aus besuchte er die Ausgrabungsstätten in Pompeji und Herculaneum – die Ausgrabungen hatten 1738 begonnen und waren inzwischen weit fortgeschritten.

Schon während der Entstehungszeit war das öffentliche Interesse an dem Bild groß. Viele Kunstliebhaber baten um das Privileg, bereits vorab einen Blick darauf werfen zu dürfen. Walter Scott, Autor des „Ivanhoe“ und anderer historischer Romane, saß tief beeindruckt in Brjullows Atelier über eine Stunde vor dem Bild und nannte es „ein Epos, kein gewöhnliches Gemälde“.

Auftraggeber und Finanzier war Anatoli Demidow, der in Italien lebende Sohn einer der reichsten Familien Russlands (mehr zu ihm in den Anmerkungen).
Nach der Fertigstellung wurde „Der letzte Tag von Pompeji“ zunächst in Rom ausgestellt. Von dort reiste das Bild nach Mailand und Paris und erregte überall gewaltiges Aufsehen. Von Frankreich trat es schließlich auf dem Seeweg die Fahrt nach Russland an. Brjullow selber reiste zu Lande zurück in seine Heimat. In Moskau wurde er 1836 im Triumph begrüßt und gefeiert, die Empfänge und Veranstaltungen zu seinen Ehren zogen sich mehrere Monate lang hin. Der Dichter Jewgeni Baratynski, ein enger Freund Puschkins, schrieb ein Gedicht, das mit den Zeilen endete: „Und der letzte Tag von Pompeji / Wurde zum ersten Tag für die russische Malerei!“
Zurück in seiner Heimatstadt St. Petersburg erhielt Brjullow zum Dank eine Professur an der Kunstakademie und wurde vom Zaren persönlich mit einem Lorbeerkranz (eine außergewöhnliche Ehrung für einen Künstler), einem Brillantring und dem Annenorden ausgezeichnet. Nikolaus I. war so angetan von dem Pompeji-Bild, dass er Brjullow bat, für ihn ein weiteres historisches Gemälde, diesmal aber mit einem russischen Thema und zum Ruhme Russlands, zu malen. An diesem Bild – die Belagerung der Stadt Pskow im Jahr 1581 – arbeitete Brjullow mehrere Jahre, konnte es aber nicht mehr beenden.
Ein anderer höchst ehrenvoller Auftrag war 1843 die Ausmalung der Isaakskathedrale, die sich damals gerade im Bau befand (fertiggestellt wurde die Kirche mit der gewaltigen goldenen Kuppel, einem Wahrzeichen St. Petersburgs, 1858). Auch diese Arbeit musste Brjullow aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Er hatte schon immer eine schwache Gesundheit gehabt, und die anstrengende Arbeit unter der Kuppel, in der feuchten Umgebung der halbfertigen Kathedrale, verschlimmerte seine Herzprobleme und sein Rheuma.
1849 reiste Brjullow nach Madeira zur Kur und anschließend weiter nach Italien, auf das Landgut eines Freundes in Manziana bei Rom. Dort verbrachte er seine letzten drei Lebensjahre. Im Juni 1852 starb er dort im Alter von 52 Jahren.
Das Grabmal zeigt uns einen jugendlich schönen Brjullow, mit gleichmäßigen ruhigen Gesichtszügen und wohlgeordneter Lockenpracht. Es gibt von ihm mehrere Selbstporträts, und auch andere Maler haben ihn porträtiert, immer, wie damals üblich, in gemessenen, würdevollen, Posen.
Aber es ist auch noch ein ganz anderes Bild überliefert – eine Daguerrotypie, eines der seltenen frühen Fotos aus dem 19. Jahrhundert. Ein Schnappschuss aus einer fernen Vergangenheit, ein aus dem Alltag gegriffener zufälliger Moment: auf dem Gesicht ein angedeutetes Lächeln, als habe ihn gerade jemand gerufen und er sich spontan umgewandt. Das lockige Haar ist verwuschelt und zerdrückt, die (Arbeits-?) Kleidung wirkt ebenfalls recht leger.

Seine Zeitgenossen haben ihn auch keineswegs als ruhig und gelassen beschrieben, wie er auf dem Grabmal wirkt, sondern als impulsiven, temperamentvollen, emotionalen Künstler, der schnell für eine Sache entflammt war und genauso schnell wieder das Interesse daran verlieren konnte.

Das obige Porträt malte 1836 sein Künstlerfreund Wassili Tropinin. Es zeigt Brjullow mit allerlei italienischen „Accessoires“ wie abgebrochenen Säulen und Weinlaub – und im Hintergrund dem qualmenden Vesuv, mit dem Tropinin nicht nur auf das Pompeji-Gemälde anspielte, sondern auch auf das Temperament des Porträtierten. „Er ist ja selber ein echter Vesuv!“, soll er über seinen Freund gesagt haben.
Anmerkungen und Links
Hier findet man Modestows Buch über Deutschland und hier geht es zur Homepage der Petersburger Uni und der Modestow gewidmeten Seite samt Auflistung aller seiner Veröffentlichungen.
In der Schweiz lebt heute noch die Enkelin von Tatjana Tolstaja, Marta Albertini, geboren 1937, die Urenkelin Leo Tolstois. Vor einigen Jahren hat sie ihre Erinnerungen an die Mutter und Großmutter unter dem Titel „Die zwei Tatjanas. Die Tochter und die Enkelin Leo Tolstois“ veröffentlicht. Das Buch gibt es in russischer und in französischer Sprache.
Marta Albertini hat 2022, nachdem Russland die Ukraine überfallen hatte, zusammen mit anderen Nachkommen Leo Tolstois einen Protestbrief an Putin geschrieben und in ihrem Haus in der Schweiz ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. In einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ sagte sie: „Wir sind gegen die Schrecken, die jetzt begangen werden, gegen die Invasion eines unschuldigen Landes.“ Ihr Urgroßvater sei überzeugter Pazifist gewesen.
Zu Karl Brjullow findet man im Netz ohne Mühe viele Artikel und Informationen, deshalb beschränke ich mich auf einen Link zu einem ausführlichen Beitrag im LiveJournal über die Moskauer Brjullow-Ausstellung, mit vielen Fotos aus der Ausstellung und Begleittext (in russischer Sprache).
Wie oben versprochen, hier noch einige Informationen zum Auftraggeber des Gemäldes „Der letzte Tag von Pompeji“, Anatoli Demidow (1813 – 1870): Die Familie Demidow (oft auch Demidoff geschrieben) hatte ihr enormes Vermögen mit Eisenerz und sibirischem Gold und Silber gemacht. Auch Anatolis Mutter, eine geborene Stroganowa, kam aus einer millionenschweren Kaufmannsfamilie (eben die, nach der das Boeuf Stroganoff benannt ist). Ihr Grabmal, ein hoch aufragendes Mausoleum, ist eines der berühmtesten und prächtigsten Gräber auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Anatoli wurde wie sein Vater ein erfolgreicher Unternehmer und „Stahlbaron“, war aber gleichzeitig auch ein vielseitig interessierter und sehr freigiebiger Mäzen von Kunst und Wissenschaft. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Paris und Florenz, war zeitweilig mit einer Nichte Napoleons verheiratet (zum Ärger des Zaren) und erhielt für seine Verdienste um die Geschichte und Kultur Italiens den Titel „Principe di San Donato“. Das von ihm finanzierte Bild schenkte er später dem Zaren.
Brjullow hat seinen Förderer und Geldgeber, der 14 Jahre jünger war als er selbst, 1831 hoch zu Ross porträtiert; das Bild hängt im Palazzo Pitti in Florenz.
